Musikempfehlung am Montag: Trevor Rabin – The Launch

Die letzte Woche ging wirklich viel zu schnell vorbei. Nun aber möchte ich mich mit einer Musikempfehlung auf diesem Blog zurückmelden, da ich am Samstag leider nicht dazu kam, etwas Schönes herauszusuchen. Dieses Mal verlinke ich hier einen sicher recht bekannten Soundtrack aus einem wahrscheinlich noch bekannteren Film.

Natürlich, über Armageddon lässt sich prächtig streiten. Ein ganzer See voller Pathos, amerikanischer Patriotismus der stärksten Sorte und diverse Logiklücken. Nichtsdestotrotz aus meiner subjektiven Sicht äußerst unterhaltsam. Allerdings würde dieser Film schlichtweg nicht funktionieren ohne den großartigen Score von Trevor Rabin. Finde ihn äußerst ergreifend und empfehlenswert.

Und wer erinnert sich nicht noch an die fantastische Rede des US-Präsidenten, die mit diesem Score untermalt wurde? Allen Kritiken zum Trotz ein ziemlicher Gänsehaut-Moment. Zweifelsohne großes Blockbuster-Kino. Dieser Satz ist mir noch immer in bester Erinnerung:

„The dreams of an entire planet are focused tonight on those fourteen brave souls… traveling into the heaven.“

Hollywood hatte im Jahre 1998 anscheinend noch die Formel für Heroismus im Schrank und ein Händchen für eine gute Inszenierung. Würde mir wirklich mal wieder einen Sommer-Blockbuster dieser Machart wünschen und wäre bereit auch über stärkere Schwächen hinwegzusehen um den allgegenwärtigen Superhelden im Mainstream-Kino endlich mal etwas entgegensetzen zu können.

Zitat am Montag

Wieder ist ein neuer Montag angebrochen, leider durchsetzt von viel Müdigkeit. In schwierigeren Zeiten mag dieses schöne Zitat von Henry Ford vielleicht motivieren:

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass das Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.“

Wünsche einen guten Start in die Woche.

American Gods – Serienempfehlung

Vor kurzem begann ich recht unvoreingenommen damit, mir American Gods anzuschauen. Mittlerweile habe ich die ersten drei Folgen angesehen und bin absolut begeistert.

Während die Erzählung der Handlung ziemlich verworren daherkommt, ist die visuelle Gestaltung der von Bryan Fuller produzierten Serie absolut atemberaubend. Fast jede Szene ein aufwändig komponiertes, ästhetisch interessantes Gemälde.

Wer sich ein Bild machen möchte, dem sei das wunderbare Intro ans Herz gelegt. Diese visuelle Gestaltung zieht sich durch die gesamte Serie:

Bisher möchte ich also schon allein wegen der großartigen Bilder eine Empfehlung aussprechen. Hoffentlich offenbart sich ab Folge 4 der Kern der Handlung und lichtet die Verwirrung.

Freitags-Special: Eine Welt ohne Kinder

Ach, ging diese Woche schnell vorbei. Es ist schon wieder Freitag und damit für mich wieder einmal Zeit, sich hier im Freitags-Special mit einer besonders ausgefallenen oder spannenden Idee aus der Fantastik auseinanderzusetzen. Heute ist es, wie letzte Woche, wieder eine interessante Idee aus einem Film, mit der ich mich beschäftigen möchte.

Die dieswöchige allerdings ist im Gegensatz zur Letzten düster, melancholisch und stimmt nachdenklich. Es geht um das Ausgangsszenario des 2006 erschienenen Films Children of Men von Alfonso Cuarón mit Clive Owen in der Hauptrolle. Vor allem dessen dargestellten gesellschaftlichen Auswirkungen erscheinen interessant.

Kurzum: Seit fast zwei Jahrzehnten werden keine neuen Kinder mehr auf der Erde geboren. Die Ursachen sind nicht hinlänglich bekannt, es wird ein Virus als Auslöser vermutet. So oder so, es gibt kein Heilmittel, alle wissenschaftlichen Bemühungen laufen ins Leere. Die Menschheit steht vor ihrem Ende.

Children-of-Men-Logo
Clive Owen in der düsteren Welt von Children of Men

Das Dramatische an diesem Szenario ist wohl die Art und die Unausweichlichkeit des Endes. Kein apokalyptisches Ereignis, kein einschlagender Meteorit, keine Epidemie, die Menschen wie die Fliegen sterben lässt, keine todbringende Invasion technologisch überlegener Außerirdischer. Stattdessen ein langsames, stilles „Lebewohl Menschheit“.

Am Spannendsten sind bei diesem finsteren Szenario wohl die gesellschaftlichen Auswirkungen, die in dem Film gezeigt werden. Depressionen und Terror breiten sich in der Gesellschaft aus, entweder die Menschen resignieren oder sie schließen sich Organisationen an, die mit Gewalt für Veränderungen kämpfen. Die öffentliche Ordnung ganzer Staaten zerfällt regelrecht, während Andere – im Falle von Children of Men Großbritannien – durch die Etablierung eines kompromisslosen Polizeistaates versuchen nicht von der Welle aus Anarchie und Chaos mitgerissen zu werden.

Man fragt sich als Zuschauer den ganzen Film über, wie realistisch solch ein Szenario sein mag. Nicht die plötzlich auf null sinkende Fertilität, sondern die Art, wie die Menschheit mit dieser umgeht. Würde in unserer modernen, globalisierten, zivilisierten Welt ab morgen plötzlich kein einziges Kind mehr geboren, würden wir uns panisch selbst zugrunde richten? Oder würden wir mit den Schultern zucken und weiter unserem Tagwerk nachgehen, arbeiten, Bücher lesen, Serien anschauen und im Supermarkt einkaufen gehen? Einsam würde es freilich für die letzten geborenen Kinder werden, wenn viele Jahrzehnte vergangen und alle Anderen schon Geschichte sind.

So traurig und düster dieses filmische Szenario auch anmutet, so spannend ist es, über die möglichen Konsequenzen nachzudenken, so interessant ist die Idee an sich. Ein Glück, dass die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entwicklung in der realen Welt verschwindend gering ist und wir uns weiter im filmischen Elfenbeinturm mit diesen Ideen beschäftigen können.

The Invitation – Karyn Kusama – Filmkritik

the_invitation

Einleitende Worte

Ein entspannter Abend mit einem Thriller und einer Tasse Tee sollte es werden. Und da empfahl Netflix mir The Invitation. Nach dem Anschauen des wirklich stimmungsvoll gestalteten Plakats und des Trailers stieg die Neugier und Neugierde ist wohl immer der beste Indikator, sich einen Film einmal anzuschauen. The Invitation mag auf den ersten Blick ein wenig wirken wie eine finstere Version von Gott des Gemetzels des Regisseurs Roman Polanski, stellt sich am Ende allerdings doch als ziemlich anders heraus, was vor allem mit seiner Genrezuordnung zusammenhängt.

Der 2016 veröffentlichte Film von Karyn Kusama, die sich auch für Aeon Flux und Jennifers Body verantwortlich zeichnet, hat eine Laufzeit von 100 Minuten und ist aktuell bei Netflix in der Flatrate zu sehen. Diesen Film einem Genre zuzuordnen ist schwierig, der englischsprachige Wikipedia-Artikel listet ihn als Horror-Thriller, Netflix ebenfalls in der Kategorie Horror.

Ich selbst halte die Einordnung in das Genre des Horrors allerdings für problematisch. Grundsätzlich ist die Einordnung des Films schwierig, was auch seine größte Schwäche darstellt. Der Aufbau von The Invitation folgt der Spannungskurve eines klassischen Thrillers, wobei sich die Horror-Elemente in engen Grenzen bewegen. Für ein Drama allerdings, wie der bereits oben angeführte Gott des Gemetzels, ist die Figurenkonstellation zu flach, sind die Charaktere nicht tief genug gezeichnet. Damit steht der Film ein wenig zwischen den Stühlen und genau das ist es auch, was zu seinem großen Problem wird.

Handlungszusammenfassung

Seit zwei Jahren hat Will (Logan Marshall-Green) nichts mehr von seiner Ex-Frau Eden (Tammy Blanchard) gehört, als plötzlich eine Einladung zum Essen ihn und seine neue Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) ins Anwesen von Eden und ihrem neuen Mann David (Michiel Huisman) beruft. Einige weitere Freunde aus alten Tagen und ein paar neu gewonnene Bekannte des Gastgeber-Pärchens sind ebenfalls Teil der Abendgesellschaft.

Die anfangs oberflächlich angenehme Zusammenkunft wird mit der Zeit immer seltsamer, während in Will Stück für Stück Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Eden wach werden und gleichzeitig Sadie (Lindsay Burdge), eine Bekannte von David, heftig anfängt mit Will zu flirten. Stück für Stück gerät das soziale Gefüge immer mehr aus dem Gleichgewicht.

Der Trailer

Rezension

Eine Einladung zum Essen bei Freunden, die man lang nicht mehr gesehen hat. Welch ein Vergnügen. Dass solch eine Einladung allerdings ebenso das Potenzial hat, sich zu einem ziemlichen Alptraum auszuwachsen, kann man sich wohl vorstellen. Sind allerdings im wahren Leben oftmals übermäßiger Alkoholkonsum, nervige neue Bekannte oder charakterliche Veränderungen von alten Freunden die Schwierigkeiten, mit denen man zu kämpfen hat, ist es in diesem Film die seltsame, nahezu groteske Grundstimmung, die sich wie ein undurchdringlicher Nebel über die Szenerie legt.

Die Grundidee der langsam eskalierenden Zusammenkunft von Freunden, ist hochinteressant und bietet viel Raum für spannende Charakterstudien. So hat bereits die Verfilmung des bekannten Theaterstücks Gott des Gemetzels gezeigt, welche Möglichkeiten solch ein Szenario bietet. Die Idee von The Invitation, diese Konstellation auf die Spitze zu treiben und in das Gewand eines Thrillers zu kleiden, ist großartig. Leider hat der Film einige Schwächen, die das Gesamtbild trüben.

Da wäre zunächst die bereits in der Einleitung erwähnte Tatsache, dass The Invitation sich nicht auf ein Genre festlegt. Für einen Horror-Film ist er visuell zu zahm, für einen Thriller sind die Spannungskurven nicht klar genug gezeichnet. So braucht es recht lang, bis sich nach dem Auftakt wirklich interessante Dinge ereignen, was den Zuschauer für längere Zeit zwar in den Status eines allgemeinen Unwohlseins mit der seltsamen Situation, in der sich die Protagonisten befinden, versetzt, allerdings oft die unbewusste Frage aufwirft, wann es denn nun endlich losgeht, wann wichtige Handlungselemente etabliert werden. So nimmt sich The Invitation sowohl für die Darstellung des Beziehungsgeflechts der Protagonisten als auch für die Etablierung der Spannung nicht genug Zeit.

Sehr sympathisch allerdings ist der Verzicht auf allzu explizite Gewaltdarstellungen, wegen derer ich normalerweise alles was nicht in Richtung Psycho-Horror geht, vermeide. Grundsätzlich ist die visuelle Ästhetik des Films ziemlich beeindruckend. Die meisten Bilder wirken detailliert ausgearbeitet und mühevoll komponiert, gerade am Beginn des Films.

Die größte Stärke von The Invitation stellt das konstante Level an Groteske, die „Weirdness“ – der Leser möge entschuldigen, leider fällt mir keine wirklich gute deutschsprachige Entsprechung dieses Wortes ein – dar, die den ganzen Film über präsent ist. Bis zum Finale ist die dauerhafte Frage präsent: Was zum Teufel stimmt hier eigentlich nicht? Die Fassade des angenehmen Abendessens wird recht lang aufrecht erhalten und es sind lediglich Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass der Protagonist Will sich sichtlich unwohl in seiner Haut fühlt. Seltsamerweise scheint er der Einzige zu sein, dem es so geht.

Einen Kardinalsfehler allerdings erlaubt sich dieser ansonsten insgesamt unterhaltsame und vor allem ästhetisch gut komponierte Film: Das Ende. Hier soll natürlich nicht zu viel verraten werden, aber der Ausgang der gesamten Situation ist leider keine besondere Überraschung, der ganze Film arbeitet auf ein solches Finale hin, das macht es leider offensichtlich und schöpft das durchaus vorhandene Potenzial leider nicht ansatzweise aus.

Insgesamt ein Film, der gut unterhält, ein interessantes Kammerspiel mit besonderer Ästhetik. Gerade Eden (Tammy Blanchard) hat in ihrem weißen Kleid eine ganz wunderbare, nahezu ätherisch wirkende Ausstrahlung. Grundsätzlich sind die Schauspielleistungen in The Invitation wirklich solide. Außerdem ist die unterschwellige groteske und seltsame Stimmung großartig komponiert. Leider macht all dies die beiden größten Mankos des Films nicht wieder wett. Das nicht allzu überraschende Ende und die Entscheidungslosigkeit ob des Genres tun dem gesamten Seherlebnis leider einen Abbruch. Hätte The Invitation sich eindeutig dafür entschieden, ein Drama oder Thriller zu sein, er wäre ein großartiger Film geworden. So allerdings hat er mich nicht restlos überzeugt und ich vergebe solide 6 von 10 Punkten.

Referenzen

The Invitation auf Netflix

Filmkritik auf „der Filmkritiker Blog“

Filmkritik bei „unperfection1“