Blade Runner 2049 – zweiter Trailer

Der zweite Trailer zu Blade Runner 2049 ist veröffentlicht worden und rein subjektiv wirkt alles schon sehr vielversprechend.


Während der Soundtrack an den großartigen Arrival erinnert, bei dem ebenfalls „Denis Villeneuve“ Regie führte, wirkt die visuelle Gestaltung ein wenig wie eine Mischung aus Matrix und The Shell.

Die Erwartungen an diesen Film sind also schon mal hoch. Und das obwohl mir die zugrunde liegende Geschichte von Philip K. Dick nie wirklich gut gefallen hat.

Der Bücherstapel der Schande

Während Cersei Lannister in der Welt von Game of Thrones mit dem „Walk of Shame“ für ihre Untaten bestraft wurde, geht es hierzulande natürlich weniger barbarisch zu.

Stattdessen gibt es im Nerd-Feuilleton den Pile of Shame, den Bücherstapel der Schande, der als Mahnmal an exponierter Stelle im Wohnzimmer daran erinnert, wie viele Bücher noch gelesen werden wollen und wie wenig Zeit man sich für sie nimmt.

Das Schlimmste: Er wächst Stück für Stück empor.


Und die schwerste Frage von allen stellt sich noch: Welches wird das Nächste sein? Und welches wird weiterhin auf dem Stapel „versauern“.

Das Leben ist eindeutig zu kurz und die guten Geschichten / Gedanken zu zahlreich.

Es – Stephen King – Buchkritik

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Einleitende Worte

Meine zweite Rezension im Rahmen dieses Blogs und schon mache ich mir Sorgen, mich weit, sehr weit aus dem Fenster der allgemein akzeptierten Meinungen zu lehnen. Aber nun ja, im Untertitel steht bereits die Subjektivität als Zustand festgeschrieben, weshalb ich mich nicht scheuen möchte, meine Meinung zu Stephen Kings Roman ES kundzutun. Manchmal muss man wohl gegen den Strom schwimmen, um nicht von ihm mitgerissen zu werden.

1986 auf deutsch erschienen ist ES von Stephen King wohl einer der bekanntesten Romane des Horror-Genres. 1990 bereits einmal verfilmt, soll dieses Jahr eine Neuverfilmung folgen, welche mich motiviert hat, mir das Buch endlich einmal durchzulesen. Viele Kritiker sind sich einig, dass der Roman zum Besten der Horror-Literatur gehört, was je veröffentlicht wurde. Ich habe dies anders empfunden und ich möchte im Folgenden gern ausführen, warum.

Trotzdem fühle ich mich bemüßigt zu sagen, dass ich das Genre der Horror-Literatur und auch Stephen King durchaus schätze. Neben Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ ist der „Dunkle Turm“ von Stephen King eines der Bücher, bzw. Buchreihen, welche einen ganz besonderen Platz in der Horror-Ecke meines Bücherregals innehaben.

Gerade Lovecrafts Konzeption des „Cosmic Horror“ ist reizvoll, der Abgrund, den die Idee bietet, dass wir als menschliche Wesen allein in einem kalten, düsteren Universum leben, nur weil wir zu unbedeutend sind von mächtigen, kosmischen Wesenheiten auf einen Schlag ausgelöscht zu werden, spielt äußerst elegant mit der menschlichen Urangst der Einsamkeit, mit der Angst vor dem Unbekannten und Unheimlichen, mit der Angst vor dem Wahnsinn als Solchem. Vor der gewaltigen Leere des Alls Angst zu haben ist nur natürlich. Bei etwas Alltäglichem wie Clowns ist es wohl wesentlich differenzierter.

Handlungszusammenfassung

Die Handlung von ES in einigen Sätzen zusammenzufassen ist schwer. Es geht um die sieben Freunde Bill, Mike, Ben, Beverly, Richie, Eddie und Stan, die gemeinsam ihre Kindheit im Örtchen Derry in Maine verbracht haben und alle ihre eigenen Schwierigkeiten bewältigen mussten – diese reichen von Stottern über einen gewalttätigen Vater bis hin zu Hypochondrie und Fettleibigkeit. Die Sieben schließen sich zusammen und gründen den „Club der Verlierer“, verbringen viel Zeit miteinander in einer Gegend von Derry, die „Barrens“ genannt wird und recht dschungelähnlich daherkommt.

Schnitt. Viele Jahre später kehren die „Verlierer“, mittlerweile viel eher erfolgreiche Gewinner der Lotterie des Lebens, zurück nach Derry, weil eine seltsame Mordserie wieder begonnen hat. Die Erinnerungen der sechs – einer von ihnen nimmt sich aufgrund der Schrecklichkeit der Ereignisse vor der Reise das Leben – kommen langsam zurück, wie ein Schleier der sich Stück für Stück lüftet, so lang sie sich in Derry befinden. Die sechs müssen es, wie schon in ihrer Kindheit, mit einer übernatürlichen Wesenheit aufnehmen, die es vor allem auf die Emotionen von Kindern abgesehen hat. Mit der Zeit verschwimmt die Grenze zwischen Kindheit und erwachsen sein immer mehr.

Nun denn, das in aller Kürze, auch wenn eine zwei Absätze lange Zusammenfassung niemals einem 1500-seitigen Roman gerecht werden kann.

Rezension

Die Kindheit wird im Nachhinein von uns Erwachsenen gern verklärt, sehnsüchtig wird sich zurückerinnert an alte Freunde und alte Feinde und an die Einfachheit des Lebens. Der Fokus des Buches liegt auf ebendem, auf der Kindheit der Protagonisten. Im Grunde handelt es sich um einen Entwicklungsroman mit Horror-Elementen. Und genau das macht es so schwierig, das Buch in seiner Gesamtheit positiv zu beurteilen.

Das Kindheit nicht immer auch Einfachheit und Geborgenheit bedeutet, zeigt Stephen Kings ES ganz großartig. Das Kindheit Phantasie und Sorglosigkeit im Angesicht größter Gefahren bedeutet, ebenso. Allerdings fehlt dem Erwachsenen, der diesen Roman liest, die Identifikationsfigur, gerade wenn der Leser in seiner Kindheit nicht mit seinen persönlichen Verlierern durch seine persönlichen „Barrens“ gestreift ist oder von anderen Kindern verprügelt wurde. So fällt es dem geneigten Leser äußerst schwer, eine Verbindung aufzubauen, obwohl die Charakterzeichnung der einzelnen Figuren ohne Frage handwerklich hervorragend ist. Sie verhalten sich allesamt nachvollziehbar und doch ist es so schwer, ihre Emotionen zu verstehen.

Neben der großartigen Charakterzeichnung gelingt King sprachlich etwas ganz Besonderes, denn die Übergänge der Erzählung von den kindlichen Charakteren zu den Erwachsenen sind so elegant miteinander und ineinander verwoben, dass man sich häufiger fragt, wann die geschilderte Handlung nun zeitlich stattfindet. Auch die Handlungen und Emotionen der sich entspinnenden Liebesgeschichte der Erwachsenen bleiben nachvollziehbar und gut gezeichnet. Die psychologischen Beweggründe der einzelnen Charaktere sind beeindruckend fein entworfen und erzählt.

Als Entwicklungsroman also, selbst wenn als Erwachsener Leser die Identifikation mit den Kindern schwer fällt, ein wirklich gut geschriebenes Buch. Aber Leser, welche sich der Geschichte unter der Prämisse nähern, einen Horrorroman zu lesen, dürften eher enttäuscht sein.

Clowns sind zwar per sé nicht unbedingt besonders lustig, aber als großer Antagonist eines Horror-Romans taugen sie wohl doch nur bedingt. Genauso wie der ebenso im Buch beschriebene große Vogel oder die gewaltige Spinne. Viel interessanter waren dann doch die Querverweise, die zu den zahlreichen anderen Romanen Kings gezogen wurden. Leider kamen diese erst am Ende wirklich zum tragen. Außerdem stellt sich schon die Frage, was genau ausgerechnet sieben Kinder einer Kleinstadt so besonders macht, dass sie das große Böse, den großen Gegenspieler des Schöpfers der Welt, besiegen können.

Daneben sind es die vielen Details, die beim Lesen ermüden. Um eine dichte Atmosphäre zu erzeugen muss nicht die gesamte Stadt Derry mit all ihren Einwohnern, die fast allesamt ein äußerst langweiliges Tagwerk zu vollbringen scheinen, in Gänze beschrieben werden. Leider tut King genau dies, die Abschweifungen tragen nicht dazu bei, in die Geschichte einzutauchen, sondern vielmehr sich als Leser ständig zu fragen, wie viel Relevantes sich im gänzlich Irrelevanten versteckt.

Während Kings Magnum Opus „Der dunkle Turm“ die Waage genau im absolut ausgewogenen Verhältnis von Detailinformationen und Geschichte ausbalanciert, verliert sich ES im dunklen, schmodderigen Matsch der Details wie die Protagonisten sich im Matsch der „Barrens“ verlieren.

Der nächste Punkt sind die fehlenden Regeln, nach denen der große Antagonist, „Es“, besiegt werden kann. Brandon Sanderson sagte einmal, dass ein jedes Magiesystem auf Regeln basieren muss um einigermaßen glaubwürdig zu sein, denn sonst würde die Geschichte jeden Reiz verlieren und die Ziele der Protagonisten werden nicht deutlich, das Mitfiebern fällt weg. King entwirft leider keine solchen Regeln, mal kann „Es“ durch „Stimmen“ besiegt werden, die Richie beherrscht, mal durch Bills eisernen Willen, mal durch bloßes Werfen von Steinen. So fällt es äußerst schwer, den Kämpfen innerhalb der Handlung mit Spannung entgegen zu sehen, denn es ist unklar, was die Protagonisten erreichen müssen, um „Es“ endgültig zu besiegen.

Kommen wir zum Fazit: Als Entwicklungsroman und mit Blick auf die feine Zeichnung der Charaktere ist ES durchaus ein gut gelungenes Buch, weil King es versteht, tief in die Psyche der Protagonisten einzutauchen und ihre Emotionen und Handlungen für den Leser verständlich darzustellen. Im Rahmen der Horror-Literatur halte ich den Roman aber für durchaus ziemlich enttäuschend, denn erstens stören die vielen Details beim Lesen, zweitens sind die Regeln, nach denen der Kampf zwischen Gut und Böse verläuft dem Leser bis zum Ende unklar und drittens ist der Antagonist einfach nicht überzeugend genug.

Somit bleibt mir für „Es“ von Stephen King trotz der allgemeinen Euphorie nur eine mittelmäßige Wertung von 5 von 10 Punkten zu vergeben.