The Invitation – Karyn Kusama – Filmkritik

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Einleitende Worte

Ein entspannter Abend mit einem Thriller und einer Tasse Tee sollte es werden. Und da empfahl Netflix mir The Invitation. Nach dem Anschauen des wirklich stimmungsvoll gestalteten Plakats und des Trailers stieg die Neugier und Neugierde ist wohl immer der beste Indikator, sich einen Film einmal anzuschauen. The Invitation mag auf den ersten Blick ein wenig wirken wie eine finstere Version von Gott des Gemetzels des Regisseurs Roman Polanski, stellt sich am Ende allerdings doch als ziemlich anders heraus, was vor allem mit seiner Genrezuordnung zusammenhängt.

Der 2016 veröffentlichte Film von Karyn Kusama, die sich auch für Aeon Flux und Jennifers Body verantwortlich zeichnet, hat eine Laufzeit von 100 Minuten und ist aktuell bei Netflix in der Flatrate zu sehen. Diesen Film einem Genre zuzuordnen ist schwierig, der englischsprachige Wikipedia-Artikel listet ihn als Horror-Thriller, Netflix ebenfalls in der Kategorie Horror.

Ich selbst halte die Einordnung in das Genre des Horrors allerdings für problematisch. Grundsätzlich ist die Einordnung des Films schwierig, was auch seine größte Schwäche darstellt. Der Aufbau von The Invitation folgt der Spannungskurve eines klassischen Thrillers, wobei sich die Horror-Elemente in engen Grenzen bewegen. Für ein Drama allerdings, wie der bereits oben angeführte Gott des Gemetzels, ist die Figurenkonstellation zu flach, sind die Charaktere nicht tief genug gezeichnet. Damit steht der Film ein wenig zwischen den Stühlen und genau das ist es auch, was zu seinem großen Problem wird.

Handlungszusammenfassung

Seit zwei Jahren hat Will (Logan Marshall-Green) nichts mehr von seiner Ex-Frau Eden (Tammy Blanchard) gehört, als plötzlich eine Einladung zum Essen ihn und seine neue Freundin Kira (Emayatzy Corinealdi) ins Anwesen von Eden und ihrem neuen Mann David (Michiel Huisman) beruft. Einige weitere Freunde aus alten Tagen und ein paar neu gewonnene Bekannte des Gastgeber-Pärchens sind ebenfalls Teil der Abendgesellschaft.

Die anfangs oberflächlich angenehme Zusammenkunft wird mit der Zeit immer seltsamer, während in Will Stück für Stück Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Eden wach werden und gleichzeitig Sadie (Lindsay Burdge), eine Bekannte von David, heftig anfängt mit Will zu flirten. Stück für Stück gerät das soziale Gefüge immer mehr aus dem Gleichgewicht.

Der Trailer

Rezension

Eine Einladung zum Essen bei Freunden, die man lang nicht mehr gesehen hat. Welch ein Vergnügen. Dass solch eine Einladung allerdings ebenso das Potenzial hat, sich zu einem ziemlichen Alptraum auszuwachsen, kann man sich wohl vorstellen. Sind allerdings im wahren Leben oftmals übermäßiger Alkoholkonsum, nervige neue Bekannte oder charakterliche Veränderungen von alten Freunden die Schwierigkeiten, mit denen man zu kämpfen hat, ist es in diesem Film die seltsame, nahezu groteske Grundstimmung, die sich wie ein undurchdringlicher Nebel über die Szenerie legt.

Die Grundidee der langsam eskalierenden Zusammenkunft von Freunden, ist hochinteressant und bietet viel Raum für spannende Charakterstudien. So hat bereits die Verfilmung des bekannten Theaterstücks Gott des Gemetzels gezeigt, welche Möglichkeiten solch ein Szenario bietet. Die Idee von The Invitation, diese Konstellation auf die Spitze zu treiben und in das Gewand eines Thrillers zu kleiden, ist großartig. Leider hat der Film einige Schwächen, die das Gesamtbild trüben.

Da wäre zunächst die bereits in der Einleitung erwähnte Tatsache, dass The Invitation sich nicht auf ein Genre festlegt. Für einen Horror-Film ist er visuell zu zahm, für einen Thriller sind die Spannungskurven nicht klar genug gezeichnet. So braucht es recht lang, bis sich nach dem Auftakt wirklich interessante Dinge ereignen, was den Zuschauer für längere Zeit zwar in den Status eines allgemeinen Unwohlseins mit der seltsamen Situation, in der sich die Protagonisten befinden, versetzt, allerdings oft die unbewusste Frage aufwirft, wann es denn nun endlich losgeht, wann wichtige Handlungselemente etabliert werden. So nimmt sich The Invitation sowohl für die Darstellung des Beziehungsgeflechts der Protagonisten als auch für die Etablierung der Spannung nicht genug Zeit.

Sehr sympathisch allerdings ist der Verzicht auf allzu explizite Gewaltdarstellungen, wegen derer ich normalerweise alles was nicht in Richtung Psycho-Horror geht, vermeide. Grundsätzlich ist die visuelle Ästhetik des Films ziemlich beeindruckend. Die meisten Bilder wirken detailliert ausgearbeitet und mühevoll komponiert, gerade am Beginn des Films.

Die größte Stärke von The Invitation stellt das konstante Level an Groteske, die „Weirdness“ – der Leser möge entschuldigen, leider fällt mir keine wirklich gute deutschsprachige Entsprechung dieses Wortes ein – dar, die den ganzen Film über präsent ist. Bis zum Finale ist die dauerhafte Frage präsent: Was zum Teufel stimmt hier eigentlich nicht? Die Fassade des angenehmen Abendessens wird recht lang aufrecht erhalten und es sind lediglich Kleinigkeiten, die dafür sorgen, dass der Protagonist Will sich sichtlich unwohl in seiner Haut fühlt. Seltsamerweise scheint er der Einzige zu sein, dem es so geht.

Einen Kardinalsfehler allerdings erlaubt sich dieser ansonsten insgesamt unterhaltsame und vor allem ästhetisch gut komponierte Film: Das Ende. Hier soll natürlich nicht zu viel verraten werden, aber der Ausgang der gesamten Situation ist leider keine besondere Überraschung, der ganze Film arbeitet auf ein solches Finale hin, das macht es leider offensichtlich und schöpft das durchaus vorhandene Potenzial leider nicht ansatzweise aus.

Insgesamt ein Film, der gut unterhält, ein interessantes Kammerspiel mit besonderer Ästhetik. Gerade Eden (Tammy Blanchard) hat in ihrem weißen Kleid eine ganz wunderbare, nahezu ätherisch wirkende Ausstrahlung. Grundsätzlich sind die Schauspielleistungen in The Invitation wirklich solide. Außerdem ist die unterschwellige groteske und seltsame Stimmung großartig komponiert. Leider macht all dies die beiden größten Mankos des Films nicht wieder wett. Das nicht allzu überraschende Ende und die Entscheidungslosigkeit ob des Genres tun dem gesamten Seherlebnis leider einen Abbruch. Hätte The Invitation sich eindeutig dafür entschieden, ein Drama oder Thriller zu sein, er wäre ein großartiger Film geworden. So allerdings hat er mich nicht restlos überzeugt und ich vergebe solide 6 von 10 Punkten.

Referenzen

The Invitation auf Netflix

Filmkritik auf „der Filmkritiker Blog“

Filmkritik bei „unperfection1“

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