Freitags-Special: Bestimmt die Sprache das Denken?

Spoilerwarnung: In diesem Beitrag werden einige Grundzüge der Handlung von Arrival offengelegt.

Etwas spät, aber noch immer im gesetzten Zeitrahmen möchte ich diese Woche im Freitags-Special eine Idee aus dem wunderbaren Film Arrival von Denis Villeneuve vorstellen, die mich ganz besonders fasziniert hat. Es geht um einen Alien-Erstkontakt, Linguistik und die Frage, wie sehr die Sprache das Denken bestimmt. Im Rahmen dieses Beitrags werde ich natürlich versuchen, so weit wie möglich auf Spoiler der Handlung von Arrival zu verzichten und bewusst vage bleiben. Wer trotzdem keinerlei Hinweise auf das bekommen möchte, was im Film geschieht, sollte sich Arrival zunächst anschauen und später wieder zurückkommen.

Vorweg eine sehr kurze Zusammenfassung der Filmhandlung um die Ideen von Villeneuve und Drehbuchautor Eric Heisserer in einen Kontext stellen zu können: Gewaltige, fremdartig aussehende Raumschiffe landen auf der Erde, ein kleines Team unter Leitung einer Linguistin und eines Physikers, macht sich an die schwierige Aufgabe, eine Kommunikation mit den Außerirdischen zu etablieren.

arrival
Was wohl der erste Mensch, der einen Fuß in solch ein Raumschiff setzt, denkt und fühlt?

Man kann sich vorstellen, welche Herausforderung es darstellen mag, mit einer Spezies zu kommunizieren, die sich unter gänzlich anderen Bedingungen entwickelt hat als die Menschheit. Und die Gefahr, durch irgendein falsches Wort oder eine falsche Geste religiöse oder individuelle Gefühle zu verletzen und damit einen interstellaren Krieg zu provozieren, ist im Rahmen eines solchen Erstkontaktes stets allzu präsent.

Das allerdings sind nur sekundäre Probleme, denn alle menschliche Kommunikation begründet sich auf eine ähnliche Art zu denken und auf dasselbe Verständnis von Zeit und Raum. Was aber, wenn die Außerirdischen eine gänzlich andere Wahrnehmung dieser beiden grundlegenden Konstanten des Daseins haben? Dann wird es äußerst schwierig, zu kommunizieren, denn Ideen und Begrifflichkeiten sind kaum miteinander vergleichbar.

Dr. Louise Banks (Amy Adams) gelingt im Film das Kunststück der teilweisen Entschlüsselung mit einer Mischung aus Intuition und harter wissenschaftlicher Arbeit. Und während Dr. Banks die Sprache der Außerirdischen lernt, geschieht etwas absolut Fantastisches: In ihrem eigenen Denken etablieren sich Teile der fremdartigen Wahrnehmung der Außerirdischen.

time_alien
„Zeit“

Diese Wahrnehmung lässt Dr. Banks Dinge sehen, die der menschlichen Natur fremd sind, die weit über das normale menschliche emotionale und mentale Erleben hinausgehen, die eine vollkommen andersartige Art des Denkens offenlegen. Das bloße Lernen der fremden Sprache als Solchen hat somit in Arrival mehr zur Transformation des menschlichen Denkens beigetragen als alle ausgetauschten Daten über Physik oder Biologie.

Es gibt die – durchaus umstrittene – Hypothese, dass die Sprache unser Denken mehr formt, als wir es gern wahrhaben wollen (Sapir-Whorf-Hypothese) und ich möchte mich in keiner Weise an diesem Zwist beteiligen, könnte ich auch gar nicht, denn mir fehlt das Hintergrundwissen.

Aber die Idee allein, dass das Lernen der Sprache Außerirdischer einen vollkommen neuen Erkenntnishorizont für die Menschheit eröffnet, ist wohl die größtmögliche Interpretation, die stärkste Ausprägung dieser Hypothese. Und diese Idee finde ich, unabhängig von ihrem wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt, absolut faszinierend.

An dieser Stelle möchte ich noch ein wirklich schönes Stück aus dem Soundtrack zu Arrival von Max Richter verlinken:

Referenzen:

Arrival – Filmtrailer

Wie sehr beeinflusst Sprache unser Denken?

2 Gedanken zu “Freitags-Special: Bestimmt die Sprache das Denken?

  1. Pingback: Freitags-Special: Eine Welt ohne Kinder – Nerd-Feuilleton

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