Freitags-Special: Kreative Ideen in Buch und Film

Bücher wie Filme laden zum Träumen ein, dazu, sich in fremden Welten zu verlieren. Und oftmals lassen Autoren und Regisseure Ideen einfließen, die den Leser in ihrer Schönheit, Kreativität und gesellschaftlichen Tragweite einfach staunend und überwältigt zurücklassen. Ist Film oder Buch wirklich gut, finden sich gern auch mal mehrere dieser originellen Einfälle.

Ich werde versuchen, hier jeden Freitag eine kleine oder größere dieser Ideen herauszusuchen und vorzustellen. Das können ebenso interessante Gesellschaftsentwürfe, verrückte Transport- und Kommunikationssysteme, eine neue Deutung der Quantenphysik sein wie ein ausgefallenes Magiekonzept oder ein originelles Verständnis von zwischenmenschlichen Beziehungen.

Beginnen möchte ich diese Reihe mit einer Idee, die mich aufgrund ihrer schieren Größe einfach überwältigt und beeindruckt hat. Dan Simmons ist einer meiner Lieblingsautoren, vor allem weil er immer wieder verrückt anmutende Einfälle in seine Romane einbaut. Dieser hier stammt aus seinem Roman Ilium:

iliumsimons

Der transatlantische Grabenbruch

Da Simmons hier naturgemäß viel bessere schriftstellerische Fähigkeiten an den Tag legt als ich es selbst jemals könnte, möchte ich ihn hier zitieren:

„Falls ihr den Bruch noch nie gesehen habt: Schon vom Ufer aus ist er ein faszinierender Anblick. Er ist ungefähr 80 Meter breit – eine Spalte, die nach Osten führt, so weit das Auge reicht, und zum Horizont hin immer schmaler wird, bis sie an der Linie, wo Meer und Himmel aufeinander treffen, nur noch ein heller Strich im Wasser ist. […]

Bereits nach zehn bis zwölf Metern reichen einem die abgeschnittenen Wasserwände links und rechts weit über den Kopf. Schatten bewegen sich darin. In der Nähe der Barriere zwischen Luft und Wasser sieht man kleine Fische schwimmen, dann den Schatten eines Hais, dann das fahle Leuchten gallertartiger, schwebender Gebilde, die man nicht richtig identifizieren kann. […]

Ein, zwei Kilometer vom Ufer entfernt ragt das Wasser so weit empor, dass der Himmel droben dunkler wird. Etwa zwanzig Kilometer weit draußen sind die Wasserwände zu beiden Seiten über dreihundert Meter hoch. In dem schmalen Stück Himmel, das man noch sieht, kommen selbst bei Tageslicht die Sterne heraus.“

„ – Dan Simmons, Ilium, S. 49

grabenbruch.jpg
Die Weite des Atlantik – ohne Grabenbruch

Es handelt sich also um eine unsichtbare Barriere, ein Kraftfeld, das die Wassermassen des Atlantik zurückhält, sodass man in der Theorie, mit genug Zeit und Verpflegung, von der Ostküste Nordamerikas bis nach Spanien wandern(!) kann, während links und rechts des Weges das Wasser Kilometer hoch aufragt und schon bald alles Licht schluckt.

Jetzt könnte man sich fragen, warum solch ein Konstrukt erschaffen werden sollte. Die größere Faszination allerdings liegt wohl darin, sich bloß vorzustellen, die ersten vorsichtigen Schritte zwischen die Wände aus Wasser zu setzen. Und zu hoffen, dass die stützenden Kraftfelder nicht nachgeben, wenn man gerade auf halbem Wege nach Nordamerika ist.

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